

Bilder vom Marsch für Märtyrer 2026: Rechte beim Verein "Selige Märtyrer von Dachau e.V."
P. Paulus Maria Tautz CFR, Franziskaner der Erneuerung, begleitete diesmal den Marsch für Märtyrer und zelebrierte den Abschlussgottesdienst zusammen mit P. Reinhard Gesing SDB, dem Provinzial der Salesianer Don Boscos und P. Dr. Stanisław Pławecki CSsR, Pfarrer der polnischen Gemeinde in München.
50 Teilnehmer zogen betend und singend vom Dachauer Bahnhof zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Unterwegs wurde der jüngst selig gesprochenen französischen Märtyrer des Apostolates, P. Franciszek Miśka SDB und der heute verfolgten Christen in Nordkorea gedacht.
In der KZ-Gedenkstätte wurden am Block 26 Blumen niedergelegt. Dies war der Ort der Kapelle im Priesterblock im KZ Dachau. Es wurde der ca. 2.800 im KZ Dachau gefangenen Geistlichen gedacht.
Im Rahmen einer Andacht vor der Heiligen Messe gab es geistliche Impulse und Informationen von Frau Dr. Agerer-Kirchhoff über die Märtyrer von Tokwon (Korea).
Beim Abschlussgottesdienst waren ca. 80 Teilnehmern aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, zugegen, darunter 5 Nachkommen von Häftlingen des KZ Dachau. Die musikalische Gestaltung erfolgte durch das Ensemble „Jubilate“ aus Karlsfeld unter der Leitung von Sofia Kuhn.
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Märtyrer aus Frankreich
Am 13.12.2025 wurden 50 Märtyrer in Paris in der Kathedrale Notre-Dame seliggesprochen. Sie waren alle Opfer des deutschen Nazi-Regimes und starben aus Glaubensüberzeugung überwiegend in den Jahren 1944 und 1945 an Taten des Glaubenshasses. Sie werden als „Märtyrer des Apostolats“ bezeichnet.
Diese Männer waren Teil der sog. „Mission des Heiligen Paulus“. Während des Zweiten Weltkrieges wurden ab Anfang 1943 ca. 650.000 junge Franzosen im Alter zwischen 21 und 25 als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt, das wurde vom Vichy-Regime mit dem Deutschen Reich so vereinbart. Beim Zwangsarbeitsdienst mussten hunderttausende junger Franzosen in Deutschland die Kriegswirtschaft in Fabriken, der Landwirtschaft, bei der Reichsbahn und anderswo unterstützen.
Diese Zwangsarbeiter standen nicht unter dem Schutz der Genfer Konvention, die grundsätzlich ein Recht auf Seelsorge für Kriegsgefangene garantiert. Die französischen Bischöfe waren besorgt und sandten freiwillige Priester, Seminaristen, Ordensleute, engagierte junge Männer der Katholischen Aktion, Angehörige der Christlichen Arbeiterjugend und Pfadfinder zu den Deportierten nach Deutschland um sie heimlich seelsorglich zu versorgen.
Fünf dieser Freiwilligen waren Häftlinge des KZ Dachau:
Victor Dillard, Jesuit, starb im Janurar 1945 im KZ Dachau im Alter von 47 Jahren
Pierre de Porcaro, Priester der Diözese Versailles, starb im März 1945 im KZ Dachau im Alter von 40 Jahren
Henri Euzenat, katholischer Laie, Mitglied der Christlichen Arbeiterjugen, starb im April 1945 in einem Außenlager des KZ Mauthausen im Alter von 24 Jahren
René Boitier, katholischer Laie, starb im Mai 1945, kurz nach der Befreiung des KZ Dachau, im Alter von 28 Jahren
Jean Bernier, katholischer Laie, starb im Juli 1945 an den Folgen der KZ-Haft im Alter von 25 Jahren
Kurzbiografie:
René Boitier wird am 8. März 1917 in Faremoutiers östlich von Paris geboren. 1933 ist er Metzgergehilfe in der französischen Hauptstadt. 1939 zum Militärdienst eingezogen, gerät er im Juni 1940 in deutsche Gefangenschaft. Er kommt ins Stammlager VI F in Bocholt im Münsterland und arbeitet in einer Schuhfabrik sowie auf Baustellen außerhalb der Stadt. Im Stammlager VI G, in das er bald verlegt wird, lernt er den katholischen Pfadfinder Raymond Louveaux kennen und engagiert sich gemeinsam mit ihm bei verbotenen christlich motivierten Aktivitäten, darunter Theateraufführungen, Festen, katholischen Studienkreisen und der Organisation von heiligen Messen. All das reicht weit über die Stalags hinaus und richtet sich an französische Zwangsarbeiter in Deutschland. Am 22. August 1944 wird René Boitier verhaftet und über ein Gestapo-Gefängnis ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Im Außenlager Langensalza muss er in einer Rüstungsfabrik arbeiten. Am 7. April 1945 wird er im „Todeszug“ mit tausenden anderen ausgemergelten Häftlingen in Richtung KZ Dachau geschickt, weil sich amerikanische Truppen Buchenwald nähern. Nach mehr als zweiwöchiger Irrfahrt durch Böhmen und Bayern erreicht René Boitier durch unmenschliche Haftbedingungen todkrank am 28. April Dachau. Er erlebt noch die Befreiung des Lagers durch die US-Armee einen Tag später, stirbt dort aber völlig kräftet am 1. Mai.
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Nordkorea – Glaube im Verborgenen
Obwohl die Verfassung der Nordkoreanischen Volksdemokratie vorgeblich die Religionsfreiheit garantiert, entspricht dies in keiner Weise der gesellschaftlichen Realität des Landes. Das staatliche Regime nutzt diese verfassungsrechtliche Bestimmung lediglich als Fassade, um der internationalen Kritik entgegenzutreten. In der Praxis existiert in Nordkorea keinerlei Raum für unabhängige religiöse Betätigung, da das gesamte gesellschaftliche Leben der absolutistischen Juche-Ideologie und dem Personenkult um die herrschende Kim-Dynastie untergeordnet ist. Jeder Glaube an eine höhere Macht wird vom Staat als direkte Bedrohung des ideologischen Monopols und der eigenen Machtbasis interpretiert.
Die wenigen in Pjöngjang existierenden religiösen Einrichtungen, wie etwa die Kirche sowie die Kathedrale, sind keine freien Orte der Glaubensausübung für die Bevölkerung. Vielmehr handelt es sich um strikt vom Staat kontrollierte Schauobjekte, die vor allem Propagandazwecken dienen und ausländischen Delegationen ein falsches Bild von Religiosität vorspiegeln sollen. Der normalen Bevölkerung ist es strengstens untersagt, religiöse Schriften zu besitzen oder private Gottesdienste abzuhalten.
Bürger, die im Untergrund heimlich ihren Glauben praktizieren, sind extremen Repressalien ausgesetzt. Wer beim Lesen der Bibel oder bei geheimen Gebetsversammlungen entdeckt wird, wird vom Staatssicherheitsdienst umgehend als Staatsfeind eingestuft. Dies führt in der Regel zur Internierung in einem der berüchtigten Lager für politische Gefangene, wo den Betroffenen schwere Zwangsarbeit, Folter und nicht selten die Hinrichtung drohen. Auch Nordkoreaner, die aus dem Land fliehen und später zwangsweise zurückgebracht werden, müssen mit schwersten Strafen rechnen. Aufgrund dieser systematischen und brutalen Verfolgung wird Nordkorea von den Vereinten Nationen sowie internationalen Menschenrechtsorganisationen seit Jahrzehnten kontinuierlich als eines der Länder mit den weltweit schwersten Verletzungen der Menschenrechte und der Religionsfreiheit eingestuft. Trotzdem halten viele Christen im Verborgenen treu an Christus fest – oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens.
Fürbitte
Herr Jesus Christus, Du hast gesagt: „Fürchtet euch nicht.“ Wir bitten Dich für unsere Schwestern und Brüder in Nordkorea, die ihren Glauben nur im Verborgenen leben können. Stärke sie in ihrer Treue, schenke ihnen Mut und Hoffnung und bewahre sie in aller Verfolgung. Öffne die Herzen der Mächtigen für die Würde jedes Menschen und das Recht, frei an Dich glauben zu dürfen. Lass den Tag kommen, an dem auch in Nordkorea niemand mehr wegen seines Glaubens Angst haben muss.
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Franciszek Miśka wurde 1898 in Polen, in Oberschlesien auf einem Bauernhof geboren. Nach dem Theologiestudium in Krakau und Turin, dem Zentrum des Ordens der Salesianer Don Boscos, und der Priesterweihe, kehrte er nach Polen zurück. Der Orden kümmert sich in erster Linie um Kinder und Jugendliche, das war auch sein Einsatzgebiet. Ab 1936 leitete P. Miska das Gymnasium seines Ordens in Ląd an der Wartą und war dort gleichzeitig Pfarrer der Pfarrei. Er half u.a. Kranken und Bedürftigen.
Am 01.09.1939 begann der Zweite WK mit dem Überfall der deutschen Truppen auf Polen. 1941 zwangen die deutschen Besatzungsbehörden P. Franciszek Miśka, in seinem eigenem, nun beschlagnahmten Kloster Ląd, als Gefängnischef dort gefangene polnische Priester zu betreuen. Unter den Häftlingen waren auch der selige Bischof Michał Kozal und viele Geistliche, die später in das Konzentrationslager Dachau deportiert wurden.
Die Gestapo machte Pater Franciszek Miśka persönlich für die Häftlinge verantwortlich. Trotz aller Schikanen kümmerte er sich um die Bedürfnisse der inhaftierten Priester und der lokalen Bevölkerung. In dieser Zeit wurde er zweimal verhört und dort gefoltert.
Im Oktober 1941 wurde P. Miska ins KZ Dachau verschleppt. Auch dort stärkte er seine Mitgefangenen mit seinem Optimismus und seiner Geduld im Ertragen der Leiden.
Besonders die Stuben- und der Blockälteste im Priesterblock quälten ihn.
Er musste, wie die anderen gefangenen Geistlichen, die schweren Essenskesseln zu den Blocks der Häftlinge tragen. Dabei stürzte er so unglücklich, dass er sich die Hand unter dem Kessel quetschte. Im Revier wurde er nur provisorisch versorgt. Nach drei Tagen wurde er wieder zur Arbeit geschickt, die ihn seine letzten Kräfte raubte.
P. Franciszek Miśka starb wenige Tage später, am 30. Mai 1942 im KZ Dachau.
Am 6. Juni diesen Jahres (2026) wurde er in Krakau seliggesprochen, zusammen mit 8 anderen polnischen Salesianern, die im KZ Auschwitz als Märtyrer starben.
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Geistliche Impulse und Informationen von Frau Dr. Agerer-Kirchhoff über die Märtyrer von Tokwon
Die Märtyrer von Tokwon- Geistlicher Impuls und Streiflichter auf diese Märtyrergruppe aus Korea
Vortrag gehalten am 26.9. im Rahmen des Marschs für Märtyrer 2026 in Dachau in der Todesangst-Christi-Kapelle
Von Dr. Christina Agerer-Kirchhoff
Mitglied im Beirat „Märtyrer-Gedenken“ des Erzbistums München und Freising
Der christliche Glaube ist der am meisten gehasste, am meisten verfolgte Glaube weltweit – bis heute! Wir haben daher hier nicht nur Ermordete und Umgekommene des Lagers Dachau oder der anderen NS-Lager im Blick: Es gibt Aber-Tausende von Menschen, die aufgrund ihres Glaubens und beim Einsatz für den christlichen Glauben ermordet worden sind – und das seit 2 Jahrtausenden – und auch heute noch verfolgt werden – und in immer größer werdender Zahl!
„Hätt‘ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ – Diese brutale, hasserfüllte Parole der Leute, die Kindstötung vor der Geburt für ein Menschenrecht ansehen, diese Parole steckt in den Köpfen vieler Christenhasser.
D.h. Wenn Christus nicht zur Welt gekommen wäre, dann müssten sie sich nicht mit dem christlich-jüdischen Menschenbild herumschlagen (das den Begriff Menschenwürde kennt – unantastbare Menschenwürde eines j e d e n Angehörigen der Menschheitsfamilie, zu der bereits das ungeborene Kind gehört!)
Das war auch beim Einmarsch der Russen nach Nordkorea in den Jahren nach 1945 so, und dann 1949, als die nordkoreanischen Kommunisten die Macht übernahmen.
Und so blicken wir heute nach Korea, zunächst nach Seoul, wo der nächste Weltjugendtag 2027 stattfinden wird. Dort begann nämlich die Geschichte der Abtei Tokwon, dorthin kamen die Benediktiner aus St. Ottilien und anderen deutschen Klöstern dieses Missionsordens.
Ich bin überzeugt, dass der Heilige Vater nächstes Jahr in Seoul ganz bestimmt auf diese große Märtyrergruppe von fast 40 Ordensleuten eingehen wird, ist er doch selber Missionar und Ordensmann.
Die riesige Benediktiner-Abtei Tokwon, um die es heute hier für Sie gehen soll, und die gesamte Mission nördlich des 38. Breitengrades ging damals 1949 unter: Bis heute gehört Nordkorea zu den schlimmsten Regimen der Welt, was die Sippenhaft von Christen und die Brutalität der Verfolgung und Inhaftierung angeht.
Diese Benediktiner (zu St.Ottilien gehörig) hatten im heutigen Nordkorea, eine großartige Abtei – sie hieß Tokwon – aufgebaut. Sie starben und verhungerten, nachdem die neuen kommunistischen Machthaber ihnen mitgeteilt hatten:
„Für Sie gibt es in der neuen Gesellschaft keine Verwendung mehr“.
Sie erinnern sich, dass auch den Priestern in den KZs gesagt wurde: „Ziehen Sie Ihren Priesterrock aus. Solche Leute wie Sie brauchen wir nach dem Endsieg des Führers nicht mehr.“
In Korea war 1909 diese Missionsabtei der Ottilianer zunächst in Seoul auf Bitten des dortigen koreanischen Bischofs als Abtei St. Benedikt gegründet worden; dann wurde sie im Jahr 1927 in den Norden Koreas nach Tokwon verlegt. Sie erblühte dort über zwei Jahrzehnte hinweg zum größten Ordenskonvent in Ostasien.
Neben der eigentlichen Klosteranlage wurden ein Priesterseminar, ein Krankenhaus, weitere Ausbildungsstätten, eine Druckerei sowie zahlreiche weitere Wirtschaftsbetriebe und Schulen errichtet. Weinkellerei, Schneiderei, Weinbergbetrieb, Apotheke, Salbenherstellung: Die Abtei war ein Bildungs- und Missionszentrum voller Initiativen und umrahmt von Unterstützung auch aus der einheimischen Bevölkerung.
Aber blicken wir gleich kurz voraus auf die grausame Entwicklung: In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1949 wurde das Kloster Tokwon von der kommunistischen Geheimpolizei umstellt und völlig geräumt. Alles ausgeplündert, vieles angezündet, absichtlich zerstört. Lastwagenweise wurde das Hab und Gut des Klosterkomplexes, der arbeits- und Wohnstatt für mehrere Hundert Menschen gewesen war, (davon eine große Anzahl auch an Koreanern), abtransportiert und eingezogen.
Das Martyrium der Ordensleute begann – für 38 Ermordete und Verhungerte wurde 2009 – 60 Jahre später – ein Seligsprechungsverfahren von Südkorea aus eingeleitet,
Auf diese Märtyrer wollen wir heute ein wenig genauer blicken.
Hier möchte ich gleich einige Namen der Märtyrer von Tokwon der damals mehr als 1300 Ordensleute umfassenden Missionskongregation der Ottilianer. Sieben Namen finden Sie auch in unserem Gotteslob bei den Blutzeugen unseres Erzbistums München und Freising:
Bruder Eugen Ostermeier, Bruder Basilius Hauser, Pater Dr. Rupert Klingseis, Pater Dagobert Enk, Bruder Josef Grahamer, Bruder Hilarius Hoiß, Bruder Ildefons Flötzinger.
Bruder Basilius Hauser aus Polling im Landkreis Mühldorf, er – 1886 geboren – hat heuer im November 2026 seinen 140. Geburts- und Tauftag. Er war ein ausgebildeter und schon einige Jahre im Berufsleben stehender Bäcker, als er mit 24 Jahren eine großherzige Entscheidung traf: „Ich möchte ein Heiliger werden“, schrieb er den Missionsbenediktinern und trat in St. Ottilien ein. 1914 kam er als Klosterkoch und Klosterbäcker nach Korea und leitete jahrzehntelang die koreanischen Mädchen und Schwestern in der Hauswirtschaft mit an. Er starb 1950 in dem entsetzlichen Berglager Oksadok, auf das ich später noch genauer eingehen werde.
Zusammen mit den Tutzinger Missionsbenediktinerinnen waren diese Ottilianer nach Seoul 1909 zur Verbreitung des Evangeliums und zur Eröffnung von Schulen und Hilfseinrichtungen gekommen. Dorthin kamen auch die ersten unserer Ottilianer, die gleich im ersten Jahrzehnt nach der koreanischen Klostergründung begeistert und voller Tatendrang in die Mission gegangen waren, wie etwa Basilius Hauser, Josef Grahamer, Eugen Ostermeier, Hilarius Hoiß und Ildefons Flötzinger. Die Ordensnamen klingen für uns manchmal etwas seltsam: Grund ist, dass es den Namen nur einmal in der großen Ordensfamilie gibt, damit die Familiennamen nicht mitgesprochen werden müssen und damit international der Ordensmann oder die Ordensfrau identifizierbar ist und ihre Festtage begangen werden können. Wie in einer Familie eben nur einmal ein Vorname.
Ein weiterer, der hier erwähnt werden muss, ist Bruder Josef Grahamer: Als Benno und letztes von sechs Kindern wurde er in Eisenhofen, Landkreis Erdweg, im Anwesen Nr. 37 geboren; sein Vater starb als 35jähriger wenige Monate nach seiner Geburt. Nun war Kreszenz Grahamer für die Kinder allein zuständig. Ein überaus tiefer Glaube prägte die vielseitig begabte und interessierte Frau. Vier ihrer Kinder folgten diesem Gottvertrauen mit ihrem ganzen Leben: Zwei Söhne traten in St. Ottilien ein, der Älteste wurde dort Priester und Organist, ihr Jüngster, Benno, folgte ihm in den Orden und wurde Missionar. Zwei Töchter widmeten sich als Dillinger Franziskanerinnen der Pflege von Kranken und Taubstummen. Benno erlernte zunächst in Aichach das Schneiderhandwerk, was ihm später in Korea als Leiter der Handwerkerschule und als Schneider für den großen Konvent mit den vielen Textilgegenständen sehr nützlich war. Als sein älterer Bruder als Pater Petrus Claver in St. Ottilien 1906 Ordensgelübde ablegte, da war für Benno klar: Er will auch in St. Ottilien eintreten! 10 Tage nach dem Professfest schreibt er sein Aufnahmegesuch und empfiehlt sich darin dem „Heiligsten Herzen Jesu und der lieben Himmelskönigin“ Welch eine Glaubenssicherheit, eine ungeheure männliche Hingabebereitschaft! Wer schon in St. Ottilien war, der weiß, dass die Abteikirche dort dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht ist. An seinem Herzen fühlten sich die Missionare in der weiten Welt auf ihren Missionsstationen geborgen! Das Herz Jesu ist so voller Liebe und übergroßer Barmherzigkeit, dass es gleichsam aus dem Körper Christi heraustritt, ja heraustreten muss, und dann für die Gläubigen in seiner Liebe augenfällig – gerade auch für Kinder – sichtbar ist. Liebe wird hier vorstellbar. Auch Papst Fanziskus schreibt in seiner letzten Enzyklika DILEXIT NOS, dass ihn die Herz-Jesu-darstellungen überaus stark geprägt und von der Liebe Jesu zu allen Menschen überzeugt haben.
An Benno Grahamer erinnert heute ein stattliches Holzkreuz mit zwei Pagodendächlein darüber – an ihn und seine vielen toten Gefährten aus Tokwon.
Es steht nahe dem Geburtshaus Grahamers in Eisenhofen. Es waren schließlich fast 40 tote Missionare, die der Konvent nach dem Untergang von Tokwon zu beklagen hatte. 25 davon sind deutsche.
Wenn ich heute zu ihnen hier über Bruder Josef Grahamer spreche und zugleich in der Todesangst-Christi-Kapelle stehe, die von Weihbischof Johannes Neuhäusler erbaut und angeregt wurde, dann könnte uns etwas Rührendes in den Sinn kommen:
Die beiden blicken vielleicht vom Himmel herunter und schmunzeln: Das hätten wir nie gedacht, als wir damals – beide 1888 geboren in Nachbarhäusern in Eisenhofen hinter Dachau – im Sandhaufen, den Kuhställen und in den Straßen von Eisenhofen zusammen als kleine Bübchen spielten! Die Elternhäuser der beiden liegen direkt angrenzend aneinander! Beide wurden 1888 dann auch über dem schönen Taufstein in St. Valentin in Hirtlbach getauft.
Benno Grahamer tritt also 1906 als 18jähriger in St. Ottilien ein und legt 1910 seine zeitlichen Gelübde ab. Schon 1911 geht es mit dem Schiff nach Korea, zunächst nach Seoul in die dortige Niederlassung der Missionsbenediktiner. Dort legt Bruder Josef Grahamer schon 1913 – er ist 25 Jahre alt – seine ewigen Gelübde ab und wird wegen seiner vielfältigen Eignungen und Fähigkeiten der Beauftragte für die Klosterwerkstätten. 1927 wird das Kloster nach Tokwon in den Norden verlegt. Grahamer baut dort eine Krankenstation mit Armenapotheke auf. Er zeigte auch als Krankenpfleger und Helfer bei Krankheiten der Armen ein spezielles Charisma. Ein japanischer Arzt – Korea war damals unter japanischer Besatzung – nahm ihn in das Universitätshospital mit und zeigte ihm viele Tricks. Grahamer hatte ungeheures Geschick und viele Kräuterkenntnisse schon von seiner Mutter her. So erlangte er sogar ein japanisch-kaiserliches Diplom, das ihn zur Ausübung wichtiger ärztlicher Dienste für die täglich 50-80 Patienten – vor allem Arme und ihre Kinder – befähigte.
Die vielen Kranken vertrauten dem frommen Krankenbruder, ließen ihre sterbenden Kinder nottaufen und empfingen viele ebenfalls als Tröstung und Stärkung Glaubensunterweisung und Krankensalbung durch die Patres des Klosters. Nachts war Bruder Grahamer oft zusätzlich Klosterpförtner, um sich sofort um die Sterbenden und Kranken kümmern zu können. Seit 1935 gab es im Kloster sogar ein kleines Hospital für stationäre Versorgung, die sog. Doktorei unter Bruder Grahamer.
Zusammen mit Br. Josef Grahamer fuhr Benedikt Hoiß – im Orden Bruder Hilarius Hoiß – auf dem Schiff nach Korea! – Hoiß wurde am 27. 6. 1888, in der Pfarrei Schlehdorf geboren. Nach der Volksschule lernte er in Unterpeißenberg das Wagnerhandwerk. Er konnte also hölzerne Karren und Räder bauen und war der Erbauer und Konstrukteur aller Fuhrwerke und Gefährte des Klosters in Seoul und Tokwon.
Am 15.8.1910 legte er seine zeitl. Gelübde ab. Am 7.1.1911 wurde Hoiß nach Seoul in die Mission ausgesandt, zusammen mit seinem Mitbruder.
Was war das für diese jungen Männer, beide im gleichen Jahr geboren, beide 23 Jahre alt, für ein Abenteuer im Ordenskleid! Beide schon vier Jahre geschult im Ordensleben – beide voller Tatendrang und Arbeitsfreude! Beide gut ausgebildet für Handwerk und Glaubensweitergabe!
Beide legten dann dort in Seoul mit 25 Jahren am gleichen Tag ihre ewigen Gelübde ab! Was für eine Bereitschaft zur Lebenshingabe, zur Arbeit für andere Menschen, für die Armen!
Hoiß war dort Lehrer an der Handwerkerschule und hat mehrere Missionsstationen in Nordkorea mit aufgebaut. Die ewige Profess legte er am 1.11.1913 zusammen mit Bruder Josef ab.
Nach der Zerstörung der Abtei kam er mit seinen Leidensgenossen – allein wegen des nicht mehr geduldeten christlichen Glaubens – in das Internierungslager Oksadok, musste von dort mit nach dem 40 km entfernten Manpo in Eiseskälte zu Fuß mit seinen Gefährten fliehen (Grenzstadt in Nordkorea/ an der Grenze zu China). In Manpo in den Erdlöchern ist er am 12.12.1950 den Hunger- bzw. Erfrierungstod gestorben. Die anderen Gefangenen wurden nach einigen Wochen wieder zurück nach Oksadok getrieben.
Sein Mitbruder Grahamer war schon zwei Monate zuvor noch im Gefängnis der Hauptstat Pyöngyang erschossen worden.Diese drei Einzelschicksale sollen gleich zum Beginn die Dramatik der Märtyrer von Tokwon beleuchten. Sie stehen für alle 38 Umgekommenen!
Ein kurzer Rückblick nochmal: 1909 waren die Benediktiner aus St. Ottilien, Münster Schwarzach und Schweiklberg zunächst – wie schon erwähnt – nach Seoul gekommen, eröffneten nach und nach Schulen und Kindergärten, ein Lehrerseminar, Apotheke, Säuglingsheim und Waisenstation, Krankenstationen, Kapellen und Kirchen, ambulante Hilfen für viele Nöte und gaben, wie in jedem Kloster, unzählige Armenmahlzeiten pro Tag aus.
Da ist man als Bäcker, Lehrmeister und Koch gebraucht. Der Nachschub an Brüdern war sehr gut, die Nachfrage nach Helfern und Brüdern sowie Ordensfrauen immens. Es gab Arbeit genug, ebenfalls unermessliche Möglichkeiten der Tätigkeiten und der Entwicklung der verschiedenen Charismen und Fähigkeiten im Kloster für die einzelnen Ordensleute. Gerade auch für handwerklich ausgebildete Brüder. Alle Ottilianer wurden noch in Deutschland zusätzlich im Bereich Landwirtschaft ausgebildet, bevor sie in die Mission geschickt wurden.
Ab 1920 übernahmen die Benediktiner von Seoul aus auch die Missionierung des noch völlig heidnischen Nordens und verlegten dann die Abtei 1927 vollständig nach Tokwon, im heutigen Nordkorea.
Abtbischof Dr. Bonifatius Sauer – aus dem Bistum Fulda stammend – war bestrebt, in Tokwon eine christliche Zentrale für Korea zu schaffen mit einem Priesterseminar für einheimische Kleriker. Ein tüchtiger Stab von Patres half ihm bei der Ausbildung der Katechisten und Priester.
Segensreich wirkten die Klosterwerkstätten, die der Ausbildung von unzähligen Leuten auf den verschiedensten Gebieten dienten und die Jugendlichen – vor allem auch aus armen Familien – gut ausbildeten. Mehrere deutsche Ordensbrüder waren Handwerksmeister in ihrem Fach und gute Lehrmeister dort in den Klosterwerkstätten für die koreanischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Die Mönche leisteten auch theologisch Beachtliches: Sie übersetzten die fehlenden Teile des Neuen Testaments in die koreanische Sprache (bis dahin waren nur die 4 Evangelien und die Apostelgeschichte ins Koreanische übersetzt gewesen) – Außerdem druckten und verfassten die Benediktiner ein Messbuch in koreanischer Sprache und erklärten durch Herausgabe einer genauen Messerklärung die Messe für die Neugetauften und ermöglichten dadurch eine aktive und positive Teilnahme an der Heiligen Messe.
Ich kann mir denken, dass die Missionare, die am Anfang noch nicht so gut die Sprache des Landes verstanden – es sind ja sogar die Schriftzeichen völlig anders – dass sie ganz besonders durch ihr Handeln, ihre Liebe zu den Armen und überhaupt zu den Landesbewohnern, als Christen sichtbar werden wollten und das auch taten. Sie predigten das Evangelium durch den liebevollen, brüderlichen Blick, durch Hilfsbereitschaft, durch unkomplizierte, liebevolle Handlungen und Gesten, welche die Leute verstanden. Hier ist schon allein die Segensberührung der Kinder zu nennen, der Abschied mit z.B. einem Segen für die zunächst fremden Menschen völlig neu und lässt Liebe und Barmherzigkeit ahnen! Nicht die geschliffene Sprache und theologische Wichtigkeiten also, sondern Blick, Haltung und Handeln eines Christen, auch die tieffromme Feier der herrlichen Liturgien – denken wir an Weihnachten, Ostern – in der nächtlichen Kirche waren damals Helfer beim Glaubenszeugnis. Glaubenszeugnis auch ohne Worte – für uns ein Ansporn !!
Eine wichtige Rolle spielte die neue Abtei Tokwon auch 1942, als auf Befehl der japanischen Besatzer das Priesterseminar in Seoul über Nacht geschlossen werden musste und alle Seminaristen entlassen werden mussten.
Alle Schulen des Klosters in Seoul mussten schließen, da die Japaner damals alles übernehmen wollten und auch den Kaiserkult, der göttliche Zeremonien für den Kaiser zwingend vorschrieb, verbreiteten und aktiv von allen – auch den deutschen Missionaren – verlangten.
Tokwon im Norden aber hatte als einziges Priesterseminar Koreas es geschafft, die Anerkennung als Fachschule – und im Norden die Freiheit vom Kaiserkult – zu bekommen. Die Professoren dort, gerade auch Pater Rupert Klingseis aus München, bildeten also über viele Jahre, bis zur Zerschlagung der Abtei 1949 zahlreiche junge Koreaner zu Priestern und Ordensleuten aus, die z.T. noch um die Jahrtausendwende herum in Südkorea als Priester wirkten.
Und das alles für Gotteslohn, denn das Gelübde der Ordensleute ist Armut, Keuschheit und Gehorsam. Sie arbeiteten all die Jahrzahnte nicht für eine eigene Familie, nicht für Kleidung und Ausbildung eigener Kinder, nicht für Hausbau von Eigenheim oder für Urlaubsreisen – wie wir heute! Sie gaben ihr Leben und ihre Arbeitskraft hin für die Menschen dort, für die vielfach Armen, die ja alle noch Heiden waren, und nie etwas von Christus gehört hatten.
Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges blühte diese Missionstätigkeit im Norden Koreas und die Seelsorgstätigkeit konnte bis in den angrenzenden chinesischen Raum hin ausgeweitet werden durch die Gründung weiterer benediktinischer Niederlassungen. Große Zahlen einheimischer Männer und Frauen schlossen sich den Benediktinern an, wurden ausgebildet; die Frauen lernten von den Tutzinger Missionsschwestern, die in großer Zahl ebenfalls dort arbeiteten, nähen, Säuglingspflege, lernten Heilpflanzen kennen und Kranke versorgen. Der christliche Same dieser Missionare lebt heute noch als winzige, grausam verfolgte Pflänzchen in Nordkorea.
Es gab eine Hauswirtschaftsschule, eine Landwirtschaftsschule, Wein wurde angebaut und gekeltert. Die Abtei hatte ja mit Bruder Eugen Ostermeier einen gelernten Gärtner vor Ort. Näharbeiten für Auftragsgeber erfolgten. Grahamer hatte sofort viele einheimische Lehrlinge ausgebildet im Schneiderhandwerk. Einheimische Erwachsene fanden Arbeit in der Abtei und Unterhalt für ihre Familien. Die handwerklichen Ausbildungen der Brüder aus Europa trug überreiche Früchte für das Kloster.
Michael (Bruder Eugen) Ostermeier, geb. am 17. 9. 1885 in München, getauft am 21. 9. 1885 in St. Ludwig – er hatte 2025 seinen 130. Geburts- und Tauftag.
1904 Eintritt in St. Ottilien mit 19 Jahren, Ordensprofess 1907 als 22jähriger! Er erhielt eine sehr gute und lange Ausbildung zum Gärtner in St. Ottilien, Aussendung am 1.9.1917 nach Seoul. In Tokwon legte er einen so großen Weingarten an, dass sämtliche Priester in Korea mit Messwein versorgt wurden und auch Weinverkauft werden konnte. Tod an schweren Darmproblemen im Lager Oksadok am 14.9.1949, der Bergverbannung der Benediktinerinnen und Benediktiner. Es gab dort keinerlei Medizin für die Gefangenen. (Vergleichbar mit den Zuständen in den „Krankenrevieren“ der deutschen KZs.) Eine seiner letzten Freuden war der Gesang eines Marienliedes durch die mitgefangenen Missionsschwestern vor seinem Sterbezimmer.
Durch die Einnahmen konnten Bauten errichtet und Geräte erworben werden. In den Kräutergärten der Ordensleute zog man gezielt Arzneikräuter und stellte Heilmittel und Salben her. Die Unterstützung dieser Missionsorden aus ihren Heimatländern – hier besonders Deutschland – war selbstverständlich. Die Europäer waren durch die Missionskalender über die fernen Länder bestens informiert. Mission und die finanzielle Unterstützung der Missionare waren eine feste Größe auch im Alltag der Katholiken hierzulande. Diese Missionskalender waren für viele Kinder die erste und oft einzige – jedoch hervorragende – Lektüre zuhause.
Die Abteien und Niederlassungen Tokwon, Wonsan und Hamhung im Norden Koreas konnten durch die Lebenshingabe der Missionare und Schwestern zu stattlichen christlichen Kultur- und Bildungszentren heranwachsen. Jährlich gingen z.B. im Jahr 1940 etwa 120 Koreaner allein in Tokwon durch das Katechumenat und zur Erwachsenentaufe, etwa 100 Kleinkindertaufen konnten gespendet werden.
Doch die Zeiten kamen grausam anders. Ab 1945 setzte sich immer mehr die kommunistische Herrschaft und Ideologie fest, so z.B. zuerst durch eine Bodenreform. Die Klöster verloren den größten Teil des Wald- und Grundbesitzes und durften nur den Anteil einer normalen Bauernfamilie behalten, obwohl sie Hunderte von Menschen zu versorgen hatten. Willkürliche Anklagen, Verhaftungen und unzählige Schikanen bereiteten die Vernichtung der Benediktinermission in Nordkorea vor.
Mitten in der Nacht im Mai 1949 werden schließlich aus dem Bett heraus die Ordensoberen von Tokwon mit Abt-Bischof Bonifatius Sauer, auch der Prior, Subprior und die Professoren verhaftet. Wenige Tage später werden sämtliche anderen Angehörigen der Abtei, Schwestern wie Mönche, ins Gefängnis nach Pyengyang – der heutigen Hauptstadt Nordkoreas – für einen monatelangen Gefängnisaufenthalt in völliger Untätigkeit und unter grauenhaftesten Bedingungen abtransportiert.
Etwas mehr als ein Jahr später sind viele der Gefangenen bereits tot: So Abtbischof Bonifatius Sauer, Pater Dr. Klingseis, Pater Dagobert Engk, (der Verwaltungsleiter und Buchführer des Klosters). Bruder Josef Grahamer als Leiter der Krankenstation und einige andere. Teils verhungert und erfroren, teils in der Nacht vom 3./4. Okt 1950 in Pyöngyang bei einer Massenerschießung ermordet, wie Grahamer.
Pater Dagobert Enk OSB stammt aus St. Margret in München, dort am 15.9. 1907 geboren und am 17.9. getauft. Er legte seine ewigen Gelübde in St. Ottilien mit 24 Jahren ab und wurde drei Jahre später zum Priester geweiht. Er starb – 43jährig – zusammen mit Bruder Grahamer. Pater Enk hat 2027 seinen 120. Geburts- und Tauftag!
Enk war neben seinen priesterlichen Tätigkeiten der Verwaltungschef von Tokwon und den zugehörigen Niederlassungen gewesen.
Abtbischof Bonifatius Sauer OSB hatte als Endstation seines Lebens das Gefängnis in Pyöngyang. Der Zellenkäfig weniger als 2x2 m groß, Abortkübel drinstehend, nackter Boden, keine sonstigen Möbel.
Brustkreuz des Bischofs und Ordenskleid wurden ihm entrissen, das Sträflingsgewand für Verurteilte bekam er, obwohl für keinen einzigen der Missionare irgendeine Verhandlung oder ein Prozess stattgefunden hatte.
Es waren die gleichen Zustände, wie sie die Menschen bei der Einlieferung in unsere deutschen KZs erfuhren: ohne Urteil, ohne Mitteilung über die Vorwürfe, ohne Aussicht auf irgendwann Entlassung. Den Begriff Menschenwürde oder Menschenrechte kennen gottlose und totalitäre Regime nicht.
Von Mai bis November 1949 war niemals Händewaschen oder Gesichtwaschen für Bischof Sauer möglich. Als nach Monaten Haft ein Benediktinerbruder um etwas Milch oder ein Ei für den schwerkranken Bischof bat, war die Antwort: „Früher fraßen diese Tiere – gemeint waren die Ordensleute – gutes Futter, jetzt sollen sie dafür Not leiden.“
Am 7. Februar 1950, drei Tage nach seinem goldenen Professjubiläum starb der zum absoluten Skelet abgemagerte und mit Wunden übersäte Abt-Bischof auf dem Boden der eiskalten Zelle. Als Bischof der Abtei ist er einer der ersten Märtyrer von Tokwon. Er hatte als 23jähriger in St. Ottilien die Ordensgelübde abgelegt, wurde drei Jahre später zum Priester geweiht – und war nach der Ausendung in die Mission der erste Abt der Benediktiner in Seoul. Ab 1927 dann Abtbischof in Tokwon.
Nach dem Abtransport der meisten Ordensleute ins Berg-Lager Oksadok hoch an der chinesischen Grenze gelegen (Karte anbei) waren, wie ich schon erwähnte, einige Patres, die Führungskräfte in Tokwon gewesen waren, und einige Brüder, darunter auch Bruder Grahamer im Gefängnis in der Hauptstadt festgehalten worden: Sie wurden dann bei einer Massenerschießung Anfang Okt. 1950 getötet.
Wie Bischof Sauer starb Pater Dr. Rupert Klingseis, in München am 5.1.1890 geboren, aus der Pfarrei Maria Hilf, noch vor den Erschießungen. Er hatte mit 24 Jahren in St. Ottilien die ewigen Gelübde abgelegt. Als Sterbender wurde er von Bruder Grahamer am eigenen Körper im Gefängnis der Hauptstadt gewärmt in den eisigen Tagen des Winters und Frühjahres 1950. Er starb als 60jähriger am 6. April 1950, nachdem er zunächst 15 Jahre in St. Ottilien die künftigen Missionare ausgebildet hatte, dann fast 20 Jahre in Tokwon die koreanischen Priester in Philosophie, Logik und andere theologische Disziplinen eingeführt hatte.
Im April 2030 ist sein 80. Todestag, im Januar 2030 sein 140. Geburts- und Tauftag in der Pfarrei Maria Hilf in München zu begehen! Gerade für Menschen, bei welchen kein Grab vorhanden ist, empfiehlt sich der Taufstein als Gedenkort.
Was diese Menschen an Lebensopfer darbrachten, mit welcher Einsatzbereitschaft und Selbstlosigkeit sie für Gottes Evangelium arbeiteten, ebenso für die Bildung des koreanischen Volkes ihr ganzes Leben gaben, das weiß Gott allein.
Im August 1949 geht es dann zur letzten Station des Martyriums für die noch lebenden gefangenen Missionare und Ordensschwestern aus Tokwon: Das Lager Oksadok im Gebirge, ganz im hohen Norden Nordkoreas, ca. 40 km von der Grenzstadt Manpo entfernt. Oksadok, einem Natur-KZ vergleichbar, liegt in einem Bergkessel auf fast 2000 m Höhe, erst nach langem Aufstieg der schon stark geschwächten Gefangenen zu Fuß erreichbar, nahe der chinesischen Grenze.
Die von der Höhe aus für die Missionare sichtbare Grenzstadt ist Manpo, ein Ort, zu welchem die Missionare einmal Hals über Kopf zu Fuß herunter von den Bergen getrieben wurden, wenige Wochen später wieder zurück aus den unterirdischen Gefängnissen dort – um diese Gefangenen immer wieder vor den Augen von ausländischen Truppen zu verbergen. Die Parallele zu unseren Todesmärschen kommt in den Sinn, als ja auch die grauenhafte Überbelegung in den KZs verborgen werden sollte vor den Augen ausländischer Soldaten.
Diese Flucht nach Manpo und den dortigen Aufenthalt nennen die Missionare mit das Schwerste, was sie erleben mussten und was sie lt. Bericht der mitinhaftierten Ärztin Sr. Dr. Diomedes Meffert OSB vier Todesfälle kostete.
Die einzige Freude für die Missionare: Sie sind in benediktinischer Gemeinschaft, mit den Tutzinger Missions-Schwestern und den Ottilianer-Patres und Brüdern. Alle mussten die gleiche Arbeit verrichten, sie waren eine große Familie, die gemeinsam den Hunger, die Krankheiten, die Körperqualen, die Schikanen, die unmenschliche Arbeit 14 Stunden lang am Tag, das Hinsterben der Ordensleute, das Bestatten der toten Ordensleute hoch über dem Lager ertrugen. Ein Kreuz war nicht erlaubt am Grab, nur ein Pfahl mit dem Namen.
Am Sonntag aber war Hl. Messe. Für das Backen der Hostien bauten sie heimlich ein wenig Weizen an, verborgen im Maisfeld, da Weizenanbau ihnen verboten worden war! Ohne Hostien aber hätten sie keine Messfeier all die Jahre haben können, neben Singen und Beten der Trost in dem Lager hoch in den Bergen.
Die körperlichen Strapazen dort erinnern an die „Hölle von Dachau“: Die Plantage, auf welcher die Häftlinge, vor allem ja auch Priester, bei jedem Wetter den ganzen Tag im Freien arbeiten mussten. Im Sommer bei Hitze ohne Kopfbedeckung bis 40 Grad, im Winter bei Tiefschnee Bäumefällen und Köhlern bei Minusgraden bis zu 20 Grad.
Wie lange dieser Aufenthalt dauere, wisse man nicht, erklären die bewachenden Polizisten, fünf oder fünfzehn Jahre möglicherweise. Die Weltanschauung der Christen stimme nicht mit der Weltanschauung überein, die jetzt in Korea herrsche. Darum habe man sie jetzt von der Gesellschaft ausgeschlossen. Sie sollten jetzt hier allein für sich leben und für den Staat arbeiten, hieß es und sich selbst versorgen – Bewacher mit Gewehren gab es natürlich. Auch für diese allerdings mussten die Gefangenen arbeiten, deren Hütten bauen, deren Nahrungsmittel anbauen, später auch Nutztiere für sie versorgen.
Ein paar elende Hütten standen anfangs in dem Gebirgskessel, die paar koreanischen Bauern von dort hatte man zwangsweise ausgesiedelt, um für die Missionare diesen von der Welt abgeschotteten Winkel zu verwenden.
Krankenlager? Keine Matratze, keine Wäsche, kein Kissen, keine Decke, kein Bett.
Winter? Von Oktober bis März gefrorener Boden und teils Unmassen von Schnee.
Arbeit im Winter? Bäumefällen und Holzkohle-Brennen.
Schuhe? Keine, später Sandalen aus Reisstroh.
Häuser? Selberbauen, sogar für die Bewacher, die Polizisten und deren Familien.
Der Winter 1949/50 bringt die ersten Toten unter den – auch vielen jungen – Schwestern und Brüdern, und
der Frühling 1950 fordert zahlreiche weitere Opfer, darunter auch Bruder Basilius Hauser aus unserem Erzbistum.
64 Jahre alt ist er geworden. Sonnig und frohgemut, wie er war, freute er sich fast, nach Jahrzehnten als Koch in der dampfigen Küche nun im Freien in Oksadok arbeiten zu dürfen. Er schleppte Steine, half beim Zimmern und rührte mit den Füßen Lehm mit Wasser für den Verputz der Gebäude.
Bei Krankheiten jedoch gab es keinerlei Medikamente, so auch nicht für Basilius Hauser, der an Ödemen erkrankte und unsäglich zu leiden hatte. Es gab weder wassertreibende Mittel noch Instrumente zur Punktion, die die vielen, zusätzlich als Krankenschwestern ausgebildeten Missionsschwestern hätten einsetzen können. So verstarb Basilius Hauser am 14. Februar 1950 im Lager Oksadok und ist dort am Berghang bei den anderen dem Martyrium erlegenen Missionsbenediktinerinnen und – Benediktinern begraben worden.
Ich lese einige aus den Berichten der Ärztin des Konvents, Sr. Diomedes Meffert zur Veranschaulichung der Zustände vor:
Man muss zuvor noch sagen, dass die Gefangenen nach einigen Monaten aus der Steinwüste wieder in Eil-Märschen zu Fuß in andere, teil unterirdische Gefängnisse an der Grenze nahe Manpo getrieben wurden.
Von dort weder zurück in die Berge immer – wenn man die Berichte liest, was hier zu weit führen würde – unter unmenschlichen Umständen mit mehreren Todesfällen der z.T. bereits kranken und völlig abgemagerten Ordensleute.
Aus dem Bericht von Schwester Dr. Diomedes Meffert, der Missionsärztin:
Bruder Petrus Gernert aus dem Bistum Würzburg: Er war Baumeister und Bauleiter beim Bau der Klostergebäude. Der schwere Aufstieg in die Berge zum Lager hatte ihn so mitgenommen, dass er nur noch still betend auf dem kahlen Boden lag.
In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 1949 ging er so still und leise heim, dass nicht einmal sein Nachbar es bemerkte, der dicht neben ihm lag. Er war der erste Tote dort in Oksadok.
Bruder Markus Metzgers Tod: Er stammte aus der Nähe von Tutzing, war vielseitig begabt und wirkte als Hausmeister für die Gebäude in Tokwon. Schwerste Schwellungen am ganzen Körper, in den letzten Tagen des Julis setzte bei ihm eine starke Entwässerung ein, Er schleppte sich hinters Haus zur Toilette und brach in der Nacht vor der Hütte zusammen. Auf allen Vieren kam er dahergekrochen und 10 Minuten später hielt ihn Sr. Diomedes Anfang August 1949 tot in den Armen. Begraben hoch oben am Hang in Oksadok.
Bruder Eugen Ostermeier, gebürtiger Münchner aus der Pfarrei St. Ludwig, Gärtnermeister und Weinbergbauer. Er hatte in Oksadok schwere Darmprobleme – wie fast alle durch die entsetzliche Kost – und starb bereits am 14.9. 1949 dort. Er freute sich kindlich, als die mitgefangenen Schwestern vor seinem Sterbezimmer am 12.9. ein Muttergotteslied sangen…
Auch Basilius Hausers Tod hat die Ärztin in ihrem Bericht genau erwähnt. Er hatte immer ungeheuer viel gearbeitet, überall in Oksadok mit angepackt, Er bekam Haut-Wassersucht und Bauchwassersucht. Sie schreibt: “Unter unsäglichen Qualen – wir hatten weder wassertreibende Mittel noch Instrumente zur Punktion – ging unser guter Bruder Basilius am 14.Februar 1950 in die ewige Heimat. Er wurde 64 Jahre alt.
Bruder Hilarius Hoiß aus Unterau bei Bad Tölz, ebenfalls aus unserem Erz-Bistum, half der Ärztin beim Bestimmen von Heilpflanzen im Lager in den Bergen, fertigte kleine Holzleuchter und einen winzigen Tabernakel, und viele nützliche Gegenstände zum Gebrauch, die man sonst im Gefängnis und auch in Oksadok nicht hatte. Als die Ordensleute von Oksadok nach Manpo in ein unterirdisches Gefängnis flüchten mussten, gab ihm dies den Rest. Die ungeheure Kälte dieser Erdlöcher brachte dem 62jährigen am 12.Dez. 1950 dort in Manpo den Tod.
Einen Tag später starb dort im Gefängnis in Manpo nahe der chinesischen Grenze auch Bruder Solanus Hermann, in Thal geboren. War gelernter Maler und Lackierer, Kolpingmitglied, trat mit 22 Jahren in den Orden und war bei den Bauten und der Ausgestaltung der Gebäude unersetzlich. Die Ärztin schreibt dazu: „Am 13.12. früh erwachten wir von einem Röcheln – und als ich zu ihm kam, war er bereits ohne Besinnung und konnte nur mehr das heilige Öl empfangen.“
Und noch viele andere Berichte der sorgfältig notierenden Ärztin liegen uns vor.
In Zügen und Bussen mit absichtlich zugehängten Fenstern – damit die Bevölkerung diese Verbrechen nicht mitbekommt – waren sie aus der Benediktinerabtei weggebracht worden, zunächst in Gefängnisse, nach Pyöngyang, Auch die Autofenster wurden zugehängt, ja sogar beim Aussteigen mussten sie unter Tüchern laufen, damit man die Ordenstracht nicht sieht und die Menschen diese Verbrechen an den Missionaren möglichst nicht mitbekommen.
Das Böse, das Satanische, scheut das Tageslicht und die Öffentlichkeit, das war auch im braunen Deutschland so.
Für diese große Gruppe von Priestern und Ordensbrüdern, die jahrzehntelang Ausserordentliches für Korea und die Menschen dort leisteten, ihr ganzes Leben der Nächstenliebe gewidmet hatten, wurde im Jahr 2009 von der Abtei Waegwan, in Südkorea, der Seligsprechungsprozess eröffnet.
Es liegt auch an uns – und dazu möchte ich Sie ermutigen – selber nachzuforschen und zu googeln über die Märtyrer von Tokwon, über St. Ottilien und auch über die einzelnen Schicksale der meist deutschen Ordensleute. Sie werden viel Interessantes noch finden.
Wenn Sie unter St. Ottilien, Seligsprechung surfen, dann finden Sie auch Filmclips, die mit hervorragenden Kameras damals vom überaus engagierten und modernen damaligen Abt Norbert Weber, Abt von St. Ottilien, in Korea auf seiner Visitationsreise gemacht wurden. Sie sind einzigartige historische Belege für die Volksnähe und das Leben damals vor ca. 100 Jahren in Korea.
Hier möchte ich für Sie kurz noch einmal zurückgehen zur Verhaftung der Patres in der Nacht vom 9./10. Mai 1949:
Wir blicken in das Gefängnis von Pyöngyang im heutigen Nordkorea: In die Zeit, bevor diese Missionare nach Oksadok in die steinige Berghöhe gebracht wurden – zum Verhungern und Sterben.
Die Zellen in dieser neuen Hauptstadt Nordkoreas: Für 18 Ordensleute nur 8 Quadratmeter Fläche. Holzboden ohne jedes Mobiliar, winziges vergittertes Fenster hoch oben in der Zelle. Wände völlig kahl, in der Ecke ein Loch im Boden mit Holzdeckel drauf für die Notdurft aller Insassen. Sprechen ist nicht erlaubt, der wachhabende Polizist geht draußen auf dem Gang auf und ab und überprüft die Vorschriften.
Essen: Die Gefängnisküche kocht ein Gemisch aus Sojabohnen und Hirse, ohne jedes Gewürz oder Salz. Presst diese Masse in eine tassengroße Form und stürzt dann diese kleinen Kuchen von 240 Gramm Gewicht in eine Kiste. Jeder Gefangene bekommt ein Schälchen mit so einem Kuchen und noch ein Schälchen mit Salzwassersuppe. Es muss schnell gegessen werden, denn die Näpfe werden ohne Spülen gleich für die nächste Gefangenenzelle verwendet. Der Aufseher wartet draußen vor der Türe auf die leergegessenen Näpfe.
Mitte Mai ist es dort schon so heiß, dass die Männer in den Zellen nur mit Unterhose sitzen können. Sie schreien und betteln nach Wasser. Das Einzige, was sie dauernd tun, ist beten, einige beten fast den ganzen Tag.
Schwerst tuberkulosekrank liegt Pater Matthias Tschö, ein koreanischer Benediktiner unter ihnen. Er hat u.a. eine offene Blinddarmwunde, kein Verband wird erlaubt, keine Medizin gibt es. Ebenso Pater Benedikt Kim mit schwersten Lungenproblemen, da er nur noch einen Lungenflügel hat. Ein anderer Missionar bekommt am Hals einen furchtbaren Abszess, wieder ein anderer hat den Kopf hochrot mit einer schweren Gesichtsrose: Alle in diesem winzigen Zellenraum eingepfercht ohne jemals ins Freie oder auf den Gang zu dürfen. Monatelang!! Sterben scheint hier für manche eine Erlösung zu sein.
Die Gefangenen hören von Ferne am Sonntag eine Kirchenglocke noch läuten in den ersten Wochen ihrer Gefangenschaft und wissen, dass offensichtlich der Pfarrer der nahen Missionsstation der Stadt Pyöngyang noch lebt und Messe hält. So feiern sie still betend eine Messe mit in dieser Zelle und empfangen geistig den Leib Christi! Wie andächtig haben sie im Geist die Hl. Messe mitgefeiert und dann auch so innerlich die Hl. Kommunion empfangen! Dann war auch diese Glocke verstummt und das Christentum weiter ausgelöscht in Nordkorea.
Auch die Gefangenen des KZ Dachau hörten von Ferne die Glocken von St. Peter und St. Jakob in Dachau….
Dr. Fritz Gerlich sah von seiner Gefängniszelle in der Münchner Ettstraße monatelang direkt auf die Doppeltürme des Liebfrauendoms…..
Im Juni1949 wurde dann eine erste Gruppe von Ordensleuten aus diesem Gefängnis in Pyöngyang weggebracht mit Zug, Lastwagen und überaus anstrengendem Fussmarsch hinauf in das Lager Oksadok im Norden Nordkoreas, hoch in den Bergen gelegen, auf ca. 2000 m Höhe, einen Monat später eine 2. Gruppe.
Leider musste Abtbischof Bonifaz Sauer und auch unsere Bistumsmärtyrer Pater Dr. Rupert Klingseis aus der Münchner Pfarrei Maria Hilf, ebenso Bruder Josef Grahamer aus dem Dachauer Hinterland, der junge Pater Dagobert Engk, er war Cellerar, d.h. der Chef der gesamten Wirtschaft dort, als „Schwerverbrecher“ im Gefängnis zurückbleiben. Im Februar 1950 erlag der Abtbischof dort den Strapazen, am 6.4. 1950 ebenso Pater Dr. Klingseis. Die anderen wurden im Oktober 1950 bei einer Massenerschießung durch koreanische Kommunisten erschossen.
Die anderen und auch der gesamte Schwesternkonvent der Benediktinerinnen der Abtei Tokwon kamen nach Oksadok.
Der Verbannungsort Oksadok war eine steinige Wüste in den Bergen, im Norden Nordkoreas in Richtung der chinesischen Grenze.
Oksadok heißt Steinwüste, weil die Berghänge, auf denen die Benediktiner Felder anlegen mussten, zur Hälfte aus Steinen und zur anderen Hälfte aus Erde bestanden. Wie große Perlen ragten die Steine aus dem Boden, den die Nonnen und Mönche nun bearbeiten mussten. Jahrelang!
Wie war es den koreanischen Mitgliedern des Konventes bei der Auflösung Tokwons gegangen, den einheimischen Arbeitern und Mitchristen des Ordens?
Es waren ja aus der Abtei Tokwon und allen anderen klösterlichen Niederlassungen der Abtei alle koareanischen Mitarbeiter, Ordensleute, Katechisten, Schüler, Seminaristen und Angestellte vertrieben worden: Die meisten schlugen sich die nächsten Monate über, in den Süden über die Grenze – der 38. Breitengrad wurde als Grenze bei der Teilung des Landes festgelegt – durch. Im Süden wurde von diesen Vertriebenen dann 1950/52 die neue Benediktiner-Niederlassung Waegwan gegründet, die heute noch besteht.
Nur ein kleiner Rückblick auf Tokwon noch zum Schluss dieses Impulses: So wurden alle noch verbliebenen Bewohner des Klosters in den ersten Maiwochen des Jahres 1949 endgültig aus dem Kloster vertrieben, direkt auf die Straße gesetzt, aufgefordert, zu verschwinden, wohin sie möchten! Ca. 100 Personen marschierten – zunächst unter Polizeibewachung – weg. Die Christen aus der Umgebung standen am Weg und weinten. „Diese Mönche (ich zitieren jetzt aus dem Büchlein „Schicksal in Korea“) waren es gewesen, die sich vor 30 Jahren in dem namenlosen Dörfchen Tokwon niederließen, die Frohbotschaft des Evangeliums auf den Lippen, das ganze Gelände zu fruchtbaren Äckern und Feldern, ja Weinbergen erschlossen, kahle Berge in grüne verwandelten; dass das Dorf schließlich als ein Musterdorf des landwirtschafttreibenden Korea gelten konnte. Sie hatten Schulen für die unbemittelten Kinder errichtet, den Kranken und Verletzten Arzneien aus ihrer Armenapotheke gespendet, sie unentgeltlich medizinisch versorgt, hatten acht Krankenzimmer in ihrer „Doktorei“ eingerichtet und penibel ausgestattet und gepflegt, für die Alten hatten sie Altenheime gebaut!“ Die vielen Fotos aus der Missionsstation dort in den angegebenen Büchern sind ungeheuer beeindruckend!
Ende der Gefangenschaft: Nach all den unendlichen jahrelangen Schikanen, die man in den Berichten über die Märtyrer von Tokwon liest, kam im November 1953 für die Gefangenen im Norden die langersehnte Wende:
So kommt plötzlich ein ordenübersäter Oberstleutant der koreanischen Polizei nach Oksadok und hält eine gespreizte Rede: Er spricht die Zerlumpten und Abgemagerten mit dem Begriff „ehrenwerte ausländische Gäste der Regierung von Nordkorea an!“
Jeder erhält neue Kleidung, die alten Fetzen müssen sie sofort wegwerfen. Kein Stück davon dürfen sie als Erinnerung mitnehmen! Die Benediktiner sollen gutgekleidet in der Hauptstadt erscheinen! Tiere und Feldfrüchte werden abtransportiert, auch die Gefangenen dürfen endlich Abschied nehmen von ihrem Berggefängnis. Sie verabschieden sich noch bei den Toten, segnen ihre Gräber, jedes einzelne segnen sie; es sind allein aus Deutschland an die 20 Tote.
Am 20. Nov. 1953 kommen sie in der Hauptstadt Pyöngyang an, werden ungemein gefüttert, in Hotels untergebracht, gepflegt, Haare geschnitten usw. Die zu Skeletten abgemagerten, verwilderten Menschen sind dem neuen Regime unangenehm. Sie müssen essen, sich ausruhen; sie haben Zeit, sofort aus dem Gedächtnis die zwangsweise verbrannten Notizen aus der Gefangenschaft wieder aufzuschreiben.
Jetzt geht es nämlich plötzlich um das Ansehen der nordkoreanischen Regierung. Das schadet dem Ansehen der Regierung in Nordkorea. So erschöpft und mit Wunden sollten sie nicht zurück nach Deutschland kommen und die lange Heimreise antreten.
Mit der transsibirischen Eisenbahn kommen also die Überlebenden im Lager Friedland am 22. Januar1954 an und werden auf die westdeutschen Herkunftsklöster verteilt. Überall natürlich froher Empfang und tiefe Trauer über die zurückgelassenen Toten: allein 19 tote deutsche Ordensleute und noch 6 vermisste damals. Heute sind es 25 auf der Totenliste. Die anderen Märtyrer der Gruppe der 38 Märtyrer von Tokwon waren koreanische Ordensangehörige der zerstörten Niederlassungen in Korea.
Etwa 15 Ordensschwestern und 12 Mönche haben die jahrelange Gefangenschaft überlebt. Und kamen zurück ins Heimatland.
So sind alle Details bestens dokumentiert. In den Tagen in den Hotels zum Rausfüttern vor der Abreise nach Deutschland und dann vor allem im Zug (mit Versorgung im Speisewagen!) zurück hatten die Ordensleute immens Zeit, möglichst viel sofort wieder zusammenzutragen – sie hatten fast alles an Notizen vor den Augen der Polizei verbrennen müssen! – und es wieder niederzuschreiben. Und sie taten es gemeinsam und sorgfältig unter gegenseitiger Korrektur und Erinnerung.
Ich möchte mit einem Gedicht schließen, das im Lager Oksadok von einer Schwester formuliert wurde: Titel ist Tod:
Die Jahre1951 und 1952 waren die schwersten: Alle bereits ausgezehrt durch die unmenschliche Arbeit, durch die Kälte und Hitze, den Hunger und die Krankheiten. Alle haben den Tod vielfach erlebt und auch für sich vor Augen:
Titel des Büchleins ist: „Seele du, in Sturm und Nacht“
„Lieder aus der Verbannung“ nannten sie die Gedichte.
Ja es war Verbannung – von christlichen Missionaren und Missionarinnen aus der atheistischen Gesellschaft, es war brutalste Ausmerzung der Christen aus dem neuen Nord-Korea!
Tod
„Wir haben den Tod in unserer Mitte
Wie einen lieben Freund
Er geht mit leisem, weichem Schritte
Man weiß nicht sicher, wen er meint.
Glaub nicht, es seien nur die Alten
Die er zuerst heimwärts führt -
Hast du nicht selber schon den kalten,
Den eisigen Atem nah verspürt?
Er schaut mit stillem, tiefem Blicke
Den einen und den andern an, -
Wie überlegend, wer sich schicke
In Gottes ewigen Schöpferplan.
Bausteine sucht sein dunkles Auge –
Es ist ihm keiner unbekannt.
Ich kann nur beten, dass ich tauge
In Gottes weise Meisterhand.“
Quellen:
- Deutsches Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Hg. Von Helmut Moll
- Schicksal in Korea, Deutsche Missionare berichten
- Die Märtyrer von Tokwon, Johannes Mahr, Eos Verlag
- Aufgehobene Häuser, Missionsbenediktiner in Ostasien, Teilband 2, Johannes Mahr, Eos Verlag
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Um finanzielle Unterstützung wird gebeten.
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