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Die Schwestern Groothand, Gerechte unter den Völkern- 2026-49

Die Schwestern Groothand, Gerechte unter den Völkern- 2026-49

Foto: Oberrabbiner Abraham Prins im Jahr 1949. Foto: Public Domain

 

Die Schwestern Groothand, Gerechte unter den Völkern aus Außenlagern des KZ Dachau, von Klemens Hogen-Ostlender

Der Staat Israel hat 1953 den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ für Menschen geschaffen, die unter Einsatz ihres Lebens Juden vor der Verfolgung durch Nationalsozialisten gerettet haben. Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat auch ehemalige Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau auf diese Weise ausgezeichnet – nicht nur Männer aus dem Priesterblock, sondern auch Gefangene beiderlei Geschlechts aus der großen Zahl der Laien, die im Lager eingekerkert waren. Geehrte bekommen eine Plakette mit einem hebräischen Zitat. Es lautet in der Übersetzung „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.“ Gerechte unter den Völkern erhalten in Anerkennung für ihre Taten außerdem die israelische Ehrenbürgerschaft, und wenn sie verstorben sind, auch die Staatsangehörigkeit im Gedenken. Bis zum 1. Januar 2024 haben nach der neuesten Statistik 28.707 Menschen aus 51 Ländern diese Ehrung erhalten, darunter 6137 aus den Niederlanden. Maria und Johanna Groothand sowie Hendrika Schoonderbeek sind drei von ihnen.

Hilfe für eine bedrohte jüdische Familie

Rund 140.000 Niederländer wurden von den Nationalsozialisten als „Volljuden“ bezeichnet. Etwa 101.800 von ihnen, fast drei Viertel, kamen durch Ermordung, Krankheiten und Erschöpfung in der Zeit der Besatzung durch deutsche Truppen ums Leben. Die meisten von ihnen wurden in die Vernichtungslager im besetzten Polen deportiert und in den dortigen Gaskammern ermordet. Diese massenhaften Deportationen begannen im Sommer 1942. Ab dem 14. Juli wurden die Juden systematisch über das Durchgangslager Westerbork nach Osten gebracht, vorgeblich für den Arbeitseinsatz in Lagern innerhalb Deutschlands. Drei Schwestern, die 1942 zwischen 46 und 51 Jahre alt waren, hatten in Rotterdam vor dem Beginn der Deportationen bereits nach Pflegefamilien für jüdische Kinder gesucht: Maria Groothand, die auch Lep genannt wurde, Johanna (Bob) Groothand und die verheiratete Hendrika Schoonderbeek. Eine Freundin der drei, Cornelia Los, machte dabei ebenfalls mit. Rabbi Abraham Prins, seine Frau Celia, die fünf Kinder des Ehepaars, seine beiden Schwestern Frederika und Sara sowie die Eltern von Celia Prins, Kalman und Hanna Drucker, sahen sich wegen der Deportationen gezwungen, unterzutauchen. Deshalb mietete eine der Groothand-Schwestern eine Wohnung auf ihren Namen und stellte sie der Familie Prins zur Verfügung. Eine andere Frau richtete die Wohnung ein, und eine dritte begleitete die Familie, als Warenladung in einem Pferdewagen versteckt, zu der Adresse.

 Versteck organisiert 

Wieder eine andere Frau besorgte gefälschte Ausweispapiere und Lebensmittelkarten für die Untergetauchten. Außerdem brachte eine der Frauen die zweijährige Tochter der Familie Prins zu einer protestantischen Familie, die sich bis Kriegsende liebevoll um sie kümmerte. Während der zwei Jahre, die die Familie Prins im Versteck lebte, besuchten die drei Groothand-Schwestern und Cornelia Los sie regelmäßig, sprachen ihnen Mut zu und versorgten sie mit Essen und Kleidung. In der Zwischenzeit retteten sie außerdem Dutzende jüdischer Kinder, deren Eltern deportiert wurden. Die Frauen brachten die Jungen und Mädchen sicher bei Pflegefamilien unter und versorgten sowohl die Kinder als auch die Pflegeeltern mit Essen, Kleidung und, wenn nötig, medizinischer Hilfe. Die drei Schwestern und Cornelia Los handelten aus humanitären Gründen und lehnten es sowohl während als Krieges als auch nachher ab, Geld anzunehmen.

 

  Von einem Kolloborateur denunziert

Am 22. Juni 1944 wurden die der Groothand-Schwestern sowie und Gerrit Schoonderbeek, Hendrikas Ehemann, bei einer Razzia verhaftet. Ein niederländischer Kollaborateur hatte sie bei der Gestapo denunziert. Auch die Juden, die zu diesem Zeitpunkt im selben Haus in der Nähe des Hafens versteckt waren, wurden festgenommen und in das niederländische Durchgangslager Westerbork gebracht. Die meisten Gefangenen kamen von dort nach Auschwitz und Sobibor und wurden ermordet. Was aus den ehemaligen Schützlingen der Groothand-Schwestern wurde, ist jedoch ungewiss. Die anderswo in der Stadt untergebrachte Familie des Rabbiners überstand die Zeit bis zum Ende des NS-Regimes unbehelligt, wen man das Leben im Untergrund so bezeichnen kann.

 

Über Ravensbrück nach Dachau

Die drei Groothand-Schwestern wurden ins Konzentrationslager Ravensbrück abtransportiert. Es war das größte Konzentrationslager für Frauen im sogenannten deutschen Altreich, war 1938/1939 100 Kilometer nördlich von Berlin errichtet worden und 1944 völlig überfüllt, weil Frauen aus geräumten Lagern im Osten nun dort untergebracht wurden. Die Häftlinge mussten unter anderem in der Rüstungsindustrie arbeiten. Vom KZ Ravensbrück kamen die Schwestern am 13. November 1944 ins KZ Dachau. Hendrika Schoonderbeek wurde im Dachauer Außenlager Oberschleißheim befreit. Die maximal 100 Häftlingen mussten dort die Gebäude der SS-Berufsschule unterhalten oder waren auf einem von der SS übernommenen Bauernhof eingesetzt. Maria Groothand wurde im Agfa-Außenkommando in München befreit, wo mehrere hundert Frauen in der Rüstungsindustrie arbeiten mussten. Johanna Groothand überlebte die Lagerhaft nicht. Gerrit Schoonderbeek starb im Konzentrationslager Bergen-Belsen, kurz bevor es von britischen Truppen bereit wurde. Nach dem Krieg betrachtete sich Cornelia Los als „Großmutter“ der geretteten jüdischen Kinder. Cornelias Gesundheit hatte während des Krieges stark gelitten, und sie erhielt eine Sonderrente von der niederländischen Regierung. Am 30. Januar 1972 wurden Maria Groothand, Johanna Groothand, Hendrika Schoonderbeek und Cornelia Los von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern anerkannt.

Der 1912 in Amsterdam geborene Abraham Prins, bis zum Einmarsch der Deutschen Rabbiner der Lekstraatsynagoge, wurde 1949 zum Oberrabbiner des Synagogenbezirks Groningen und ein Jahr später zum Oberrabbiner von Overijssel ernannt. Im August 1952 wanderte er mit Frau und Kindern nach Israel aus. Er wurde Direktor der Mizrachitischen Schule für orthodox-zionistische Bildung in Rehovot im Zentrum des Landes und starb dort im Alter von 70 Jahren am 24. Mai 1982.

Quellen:

https://collections.yadvashem.org/en/righteous/search-results/groothand?page=1

https://collections.yadvashem.org/en/righteous/search-results/cornelia%20los?page=1

https://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Außenlager_München_(Agfa_Kamerawerke)

https://stevemorse.org/dachau/details.php?lastname=GROOTHAND&firstname=Maria&title=&birthday=21&birthmonth=Sep&birthyear=1906&birthplace=Amsterdam&from=&town=Amsterdam&street=&number=123198&DateOfArrival=zug.%2013%20Nov%201944%20Ra.&disposition=befr.%20Kam-Mü&comments=&category=Sch.Holl.&ID=15399&page=1913/Su&disc=2&image=88

https://stevemorse.org/dachau/details.php?lastname=SCHOONDERBECK&firstname=Hendrika&title=&birthday=13&birthmonth=Oct&birthyear=1892&birthplace=Amsterdam&from=Rav.&town=&street=&number=123242&DateOfArrival=13%20Nov%201944%20Rav.&disposition=befr.%20Schliessh.&comments=&category=Sch.%20Hol.&ID=210813&page=5730/Schü.&disc=5&image=496

https://www.verzetsmuseum.org/dachau/maria-henriette-groothand

https://www.oorlogsbronnen.nl/tijdlijn/ce5895a3-38a8-4044-8fa2-639a00c00e0c

https://de.wikipedia.org/wiki/Durchgangslager_Westerbork

https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Ravensbrück

 



 

 

 

Biografien weiterer Gerechter unter den Völkern, die Häftlinge im KZ Dachau waren und andere interessante Artikel: Link

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