Neues Interview mit jungen Frau aus der Ukraine

Unsere Reihe mit Interviews wird weitergeführt mit diesem Beitrag. Eine junge Frau ukrainischer Abstammung antwortete auf unsere Fragen:

Interview mit Anastasiia Burgmayr

Interviewfragen Verein Selige Märtyrer von Dachau e.V:

Anastasiia Burgmayr, unterstützt den Verein Selige Märtyrer von Dachau als Übersetzerin, studiert derzeit Katholische Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Was bedeuten Ihnen die Märtyrer von Dachau?

Die sind für mich ein besonderer Teil der Familie der Heiligen, die im Himmel ist. Es sind starke Kämpfer und Fürsprecher und zugleich sind sie durch ihr Wirken ein Teil der Welt, in der wir jetzt leben.

Wie haben Sie von den Märtyrern von Dachau erfahren?

Über die Geistlichen, die im KZ Dachau gefangen waren, habe ich bei einer Führung durch die KZ-Gednkstätte Dachau erfahren. Detaillierteres erfuhr ich später bei der Veranstaltung Marsch der Märtyrer. Generell habe ich mich mit dem Thema Martyrium persönlich und im Studium auseinandergesetzt. In meiner Schulzeit traf ich außerdem eine Zeitzeugin, die Häftling in einem KZ war. Sie war meine Deutschlehrerin. Ihr Lebenszeugnis beeindruckt mich bis jetzt.

Warum engagieren Sie sich für die Märtyrer von Dachau?

Aus Dankbarkeit und Pflicht zugleich. Und auch aus Solidarität; in meiner Familie lebte ein orthodoxer Geistlicher, der sein Leben infolge des kommunistischen Regimes für Christus und seine Gemeinde hingegeben hat.

Gab es dabei einen besonders schönen Moment für Sie bei Ihrem Engagement?

Ja, und zwar bei der Arbeit mit Biographien der seliggesprochenen Märtyrer von Dachau. Jedes Mal war eine unglaubliche Dankbarkeit, Wertschätzung und Stolz auf diese Männer und Geistlichen da. Zugleich hatte ich das Bewusstsein, dass sie der pilgernden Kirche hier auf Erden, konkret in Deutschland, noch so viel helfen können und helfen werden.

Zugleich war mir bewusst, dass sie auch jedem einzelnen Mut geben können, im Alltag konsequent die Botschaft Christi zu leben, als Bürger und Bürgerinnen, als gläubige Christen. Dabei muss man kein Held von Anfang an sein. Die Seligen hatten auch ihre menschlichen Kämpfe und Schwächen auf diesem Weg und hatten den Weg nach Dachau zunächst nicht gesucht. Diese kostbaren Lebensbeschreibungen helfen sehr gut, bodenständig und gelassen zugleich zu bleiben, und zu vertrauen, dass der Herr das Notwendige ergänzt.

Ist Ihnen auch ein nicht so guter Moment in Erinnerung geblieben?

Wahrscheinlich ist das die Ignoranz der Menschen, Oberflächlichkeit und Ängstlichkeit (was auch verständlich ist) bei der Konfrontation mit dem Thema Martyrium heute, die ich zugegebenermaßen auch hatte und immer noch überwinden muss. Ich habe das Thema einfach in die politische Bildung abgeschoben und es nicht als ein Teil der modernen Kirche und der Berufung von jedem Christen und jeder Christin, die seit der Taufe „in Christi Tod hineingetauft sind“ (vgl. Röm 6,3) sehen wollen. Wir sollten einfach ehrlicher werden. Das Thema gehörte zur Geschichte des Christentums von Anfang an. Das Martyrium für den Glauben und die Wahrheit hört aber auch heute nicht auf und passiert mittendrin in Europa, in den Kellern und Bunkern, mit den Menschen jeglichen Standes und Glaubensstärke.

Welcher Selige oder heilige Märtyrer beeindruckt Sie besonders? Und warum?

Um ehrlich zu sein, sehe ich in jedem einzelnen Seligen einen einmaligen Charakter. Besonders machen mich die Personen, die jahrelang in den KZs gelebt haben, sprachlos. Die Tatsache, dass die Geistlichen ihr priesterliches Leben weiterhin in Baracken geführt haben und somit auch den Gläubigen das sakramentale Leben ermöglichten, finde ich absolut bewundernswert.

Was wünschen Sie dem Verein Selige Märtyrer von Dachau für die Zukunft?

Viele offene Herzen, Ohren und Augen, und viele helfende Hände und weiterhin Standhaftigkeit und Präsenz und natürlich Gottes reichen Segen für das Wirken des Vereins für alle Zeiten.

Vielen Dank für das Interview und Gottes Segen und für Sie und Ihre Lieben.

 

Weitere Beiträge der Interviewserie:

Pfarrer Markus Zurl, Gräfelfing Link

Alexander Holzbach SAC, Friedberg Link

Herbert Köhler, Schreinermeister Link

Heinrich Bömeke, Diplom-Ingenieur, Dachau Link

Martin Turban, Diplomtheologe aus Bamberg Link

Monika Volz, Erste Vorsitzende des Vereins, Verwaltungsbeamtin, Dachau Link

 

Radio Horeb: Interview über die Seligen Märtyrer von Dachau und den heiligen Titus Brandsma mit Monika Volz, 26. und 27.07.2022 Link

Radio Horeb: Interview mit Monika Neudert im Tagesgespräch am 30.07.2020; Podcast zur Verfügung gestellt. Link